CHRISTOPH MARTIN WIELAND





AS LONG AS

PEOPLE KEEP

THEIR HEADS !

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GÖTTERGESPRÄCHE

VIII. 25. S. 183 – 184
nicht übersetzter Text

Bedenke, was bei einer solchen Revolution dem Drang der Umstände zugerechnet werden muss! Bedenke, dass auch die redlichsten und weisesten Menschen nur Menschen sind! Man wollte Anfangs nur so weit gehen als die Not erforderte, und wurde durch die unaufhaltbaren Wogen der Zufälle weiter fortgerissen. Ohne eine Revolution konnte diesem Staate nicht geholfen werden; eine Revolution aber war nur durch überwiegende Gewalt möglich. Wenn ein Staat nur noch durch die Fesseln, die man seinen Bürgern angelegt hat, zusammen hängt: so wird er feierlich aufgelöst, sobald diese Fesseln zerbrochen werden. Ist es mit einer Regierung so weit gekommen, dass sie sich nur noch durch Missbräuche erhält, und alle ihre Stärke nur von ihnen zieht: so muss notwendig auf die Abstellung dieser Missbräuche einen Augenblick von Stockung erfolgen, und das kann nach Beschaffenheit der Menschen und der Umstände, ein sehr langer Augenblick sein. Aber wenn ein so aufgeklärtes, so edler Gesinnungen, so warmer Menschengefühle fähiges Volk, nur einmal den großen Punkt gewonnen hat, so verlasst Euch darauf, es wird die Kräfte, die es nun ungehindert gebrauchen darf, endlich zu seinem wirklichen Besten gebrauchen lernen. Alles will gelernt sein, sogar das Leben. Recht zu leben wissen, ist eine schwere Kunst, die Menschen recht zu regieren wissen – die schwerste unter allen.

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