
CHRISTOPH MARTIN WIELAND

NO,
LET US NOT
THINK SO POORLY
OF YOUR MINDS.
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AGATHODÄMON
X. 32. S. 70 – 71
nicht übersetzter Text
Die Natur selbst hat mir meine ganze Bestimmung schon gegeben, da sie mich zu einem M e n s c h e n machte: wenn ich d i e s bin, A l l e s bin, was die Idee des Menschen in sich fasst, was könnt ich edleres und größeres zu sein verlangen? Je tiefer die Verderbnis ist, zu welcher ich meine Zeitgenossen herabgesunken sehe, je geringer die Menschheit in ihrer eigenen Schätzung, und je verächtlicher sie in den Augen ihrer Unterdrücker ist: desto nötiger ist es, dass Menschen aufstehen, welche die Würde ihrer Natur zu behaupten wissen, und in ihrem Leben darstellen, was für ein erhabenes, unabhängiges und viel vermögendes Wesen ein Mensch bloß dadurch sein kann, dass er alle seine Anlagen entwickelt und alle seine Kräfte gebrauchen lernt. “ Sei so frei und tätig, so groß und gut, als du durch dich selbst sein kannst.“ Was blieb mir nun übrig, als unverzüglich Hand ans Werk zu legen? Denn von nun an mußte ich, so zu sagen, mein eigenes Werk sein. Ich musste selbst die wesentliche Form meiner Natur ausbilden, und in allem meinem Tun und Lassen mein eigener Oberheer (kein Druckfehler), Gesetzgeber und Richter sein.
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